Im Schatten des Moments
14.12.2025,
duration: 20 Minutes
during werft wind
during werft wind
Museum of Superior Installation MoSi
Braunschweig GERMANY
In the Shadow of the Moment: Resonance and Resilience as Political Resistance
The repetitive dropping of a "world made of glass" breaks radically with the mute, alienated dynamics of our present. Amidst a modern society frozen by permanent acceleration and the looming sense of impending catastrophe, this performance generates a vibrating space of resonance. The sound of the glass globe falling to the floor again and again pains the ears of the recipients like a lingering echo. The audience remains transfixed by the fear of final destruction. This fear is the physically palpable expression of a world-relation marked by powerlessness and the expectation of collapse.
Yet, by not destroying either the floor or the glass globe, the performance refuses the destructive script of the present. It is an act of conscious agency: the artist retains control and observes both the material and its reaction very closely. Viewed scientifically in the sense of Erika Fischer-Lichte, an autopoietic feedback loop emerges. The collective vulnerability of the space is not exploited, but translated into a shared, transformative experience—the rigid system suddenly begins to establish responsive relationships.
Within this coordinate system, self-love becomes a radical, political practice in the sense of Audre Lorde. It is not an individualistic retreat, but the existential prerequisite for the very capacity to resonate. Those who engage in political work risk burning out and becoming mute in the accelerated crises of modernity. Here, self-love functions as an inner sanctuary that stabilizes one's own axis. It keeps the artist resonant, allowing her to continue facing the world with touchability and defiance.
This embodied resilience demonstrates that subjects do not inevitably have to break under conditions of permanent precarity. The performance "In the Shadow of the Moment" is thus an aesthetic experimental setup for reclaiming the world. It proves that a responsive, vital connection is possible between the individual and a fragile reality. Resistance here means opposing alienation, controlling the fall, and preserving one's own voice and integrity despite the shards.
GERMAN VERSION
Im Schatten des Moments: Resonanz und Resilienz als politischer Widerstand
Das repetitive Fallenlassen einer „Welt aus Glas“ bricht radikal mit den stummen, entfremdeten Dynamiken unserer Gegenwart. Inmitten einer modernen Gesellschaft, die durch permanente Beschleunigung und das Gefühl drohender Katastrophen erstarrt ist, erzeugt diese Performance einen vibrierenden Resonanzraum. Der Klang der gläsernen Weltkugel, die wieder und wieder zu Boden fällt, schmerzt als Nachhall in den Ohren der Rezipienten. Das Publikum verharrt in der Angst vor der finalen Destruktion. Diese Angst ist der körperlich spürbare Ausdruck einer Weltbeziehung, die von Ohnmacht und der Erwartung des Zusammenbruchs gezeichnet ist.
Indem der Boden und die Glaskugel jedoch nicht zerstört wird, verweigert die Performance das zerstörerische Skript der Gegenwart. Es ist ein Akt bewusster Agency (Handlungsmacht): Die Künstlerin behält die Kontrolle und beobachtet das Material und deren Reaktion sehr genau. Wissenschaftlich im Sinne Erika Fischer-Lichtes betrachtet, entsteht hier eine autopoietische Feedbackschleife. Die kollektive Verwundbarkeit des Raumes wird nicht ausgebeutet, sondern in eine geteilte, transformative Erfahrung übersetzt – das starre System beginnt plötzlich Antwortbeziehungen aufzubauen.
In diesem Koordinatensystem wird Selbstliebe zu einer radikalen, politischen Praxis im Sinne Audre Lordes. Sie ist kein individualistischer Rückzugsort, sondern die existenzielle Voraussetzung für Resonanzfähigkeit überhaupt. Wer politisch arbeitet, droht in den beschleunigten Krisen der Moderne auszubrennen und stumm zu werden. Selbstliebe fungiert hier als innerer Schutzraum, der die eigene Achse stabilisiert. Sie hält die Künstler*in resonant, damit sie der Welt weiterhin berührbar und widerständig entgegentreten kann.
Diese verkörperte Resilienz zeigt, dass Subjekte unter Bedingungen permanenter Prekarität nicht zwangsläufig zerbrechen müssen. Die Performance „Im Schatten des Moments“ ist somit eine ästhetische Versuchsanordnung über die Rückgewinnung von Welt. Sie beweist, dass zwischen dem Individuum und einer fragilen Wirklichkeit ein antwortender, lebendiger Bezug möglich ist. Widerstand bedeutet hier, sich der Entfremdung entgegenzustellen, den Fall zu kontrollieren und trotz der Scherben die eigene Stimme und Integrität zu bewahren.
Photos and Video by Roman Grussu



